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Frag Dr. Sarah Straub - die Online-Demenzsprechstunde

Hier haben wir die Antworten der Demenzexpertin Dr. Sarah Straub auf die bisherigen Fragen zu den Themen Demenzdiagnose, Therapien, Hilfe für Angehörige, Pflege zu Hause und Wohnformen bei Demenz zusammengestellt. Vielleicht finden Sie hier schon eine erste Hilfestellung für Ihre aktuelle Situation. 

Sie möchten selber eine Frage an Sarah Straub stellen? Dann mailen Sie uns unter demenzsprechstunden@desideriacare.de oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Demenzdiagnose

 

Kann man Demenz früh erkennen?

Die technischen Möglichkeiten in der Medizin werden immer präziser. Heute kann man beispielsweise mittels bildgebender Verfahren schon früh Hinweise auf eine neurodegenerative Demenz sichtbar machen. Humangenetische Untersuchungen lassen bei einer genetischen Ursache sogar hundertprozentige Klarheit zu. Je nach Demenzform ist es leichter oder schwerer, früh zu diagnostizieren. Demenz ist nicht gleich Demenz. Daher gilt: Lieber früh zum Arzt gehen, auch wenn man selbst die beobachteten Veränderungen für „noch nicht so schlimm“ hält.

Weitere Infos:


 

Soll man offen über die Erkrankung sprechen mit dem Patienten?

Ist die Diagnostik beendet und der Betroffene wird vielleicht erstmals zu einem Gespräch gebeten, ist eine pauschale Antwort schwierig. Denn es gibt das Recht eines jeden Patienten auf Nicht-Wissen. Wenn der Betroffene sagt, er wolle die Untersuchungsergebnisse nicht mitgeteilt bekommen, dann ist das erst einmal zu akzeptieren. Grundsätzlich gilt aber: Offenheit ist der beste Weg. Denn nur dann kann man auch konkret darüber sprechen, wie man nun gegensteuern kann, welche Therapien sinnvoll sind, wie man vorhandene Ressourcen stärken kann, was man als Familie regeln muss, um so gut wie möglich mit den Veränderungen leben zu können. Enttabuisierung von Demenz beginnt im offenen Gespräch. Und dann liegt es an uns allen, den Betroffenen zu unterstützen.
 



Kann Parkinson auch zu Demenz führen?

Leider ja. Parkinson-Patienten entwickeln relativ häufig im Verlauf auch eine Demenz, sprich: Sie haben kognitive Defizite. Die speziellen Symptome sind etwas anders als man es von einer klassischen Alzheimer Demenz kennt. Die Betroffenen haben auch hier Gedächtnisstörungen, aber eher Abrufprobleme, abspeichern können sie Informationen sehr wohl. Auch wirken die Betroffenen sehr verlangsamt, brauchen lange, um zu reagieren. Auch eine sogenannte Apathie ist häufig, also ein enormer Antriebsmangel. Die Veränderungen sind leider fortschreitend, eine Zunahme der Beschwerden im Verlauf ist Teil der Erkrankung.
 



Passen zunehmende Phantasien, Halluzinationen und Wahnvorstellungen zur Diagnose Alzheimer-/vaskuläre Demenz oder kann da noch eine andere Krankheit zugrunde liegen?

Solche sogenannten psychotischen Symptome können im Verlauf von Demenzerkrankungen tatsächlich auftreten und sind sehr belastend, da die Betroffenen die Halluzinationen und Wahnvorstellungen ja als real erleben. Die Patienten leiden oft sehr unter solchen Symptomen und haben Angst. Das mindert die Lebensqualität enorm, weshalb hier unbedingt ein Arzt konsultiert werden sollte. Es gibt inzwischen gute Medikamente, die bei Psychosen helfen. Natürlich muss man immer abwägen, ob starke Psychopharmaka wirklich nötig sind, aber in so einem Fall ist meine Erfahrung: Seien Sie offen für eine medikamentöse Behandlung und versuchen Sie es. Der behandelnde Neurologe oder Psychiater kann hier weiterhelfen.
 



Meine Schwiegermutter hat vor ca. fünf Jahren eine beginnende Alzheimer Diagnose gestellt bekommen, danach wollte sie keine Untersuchung mehr.  Inzwischen ist die Krankheit eindeutig fortgeschritten. Sie hat Defizite in Sprache und Gedächtnis, Emotionen und Dingen des Alltags, zum Beispiel Essen zu sich Nehmen. Seit einem Oberschenkelhalsbruch hat sie eine 24-Stunden-Pflege zu Hause. Da sie sehr ablehnend bzw. manchmal aggressiv ist, möchte sie keinerlei Betreuung. Jeder Wechsel der Personen ist eine tagelange Katastrophe. Inzwischen lehnt die Agentur es ab, weitere PflegerInnen zu schicken. Meine Schwiegermutter ist sehr sturzgefährdet, trägt keinerlei Hilfsmittel, da sie dies ablehnt bzw. nicht umsetzen kann. Wegen Ihres Verhaltens und unserer Wohnnähe sind wir im regen Kontakt mit Mutter bzw. PflegerInnen. Das überfordert uns zunehmend, wir sind beide selbstständig und haben Kinder. Jegliche Änderung der Wohnform lehnt sie ab, leidet aber sehr unter der Einsamkeit. Ihr Mann ist vor sieben Jahren gestorben, seitdem ist sie sehr schwermütig.

1. Frage: Mein Mann möchte die Betreuung an einen gesetzlichen Betreuer abgeben. Macht dies Sinn, im Hinblick auf die kurzfristigen Anrufe, Notfälle usw., die uns im letzten Jahr vor eine grosse Herausforderung gestellt haben? Hat dies Nachteile? Er möchte gerne wieder Sohn sein und nicht Vormund.

 2. Frage: Falls die Familie einen Heimplatz findet, wie würde man es schaffen, sie gegen ihre Überzeugung umzuziehen? Wir könnten sie ja nicht aus dem Haus tragen?!? Eine Besichtigung eines WG-Platzes war nur mit ihrer Freundin möglich, ein Umzug jedoch schier undenkbar.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, in welch schwieriger Situation Sie sich befinden. Das ist für Sie als Familie sicher sehr belastend. Sie müssen sich bitte damit auseinandersetzen, dass es vielleicht keinen „Königsweg“ geben und schwierig bleiben wird. Aber wir können versuchen, an bestimmten „Stellschrauben“ zu drehen und es etwas leichter zu machen. 

 Zu Ihrer ersten Frage: Einen Betreuer von außen zu bestellen, hat den Vorteil, dass Sie als Familie entlastet sind. Grundsätzlich kümmern sich gesetzliche Betreuer um alles Bürokratische: Sie organisieren medizinische Behandlungen, vertreten ihre Klienten in finanziellen Belangen, wählen einen geeigneten Aufenthaltsort für den Betroffenen usw. Wenn er oder sie seinen Job gut macht, handelt er nach dem Willen seines Klienten und sucht gute Lösungen, idealerweise auch in Rücksprache mit der Familie (wenn gewünscht). 

Wenn Ihr Mann sagt, er wolle wieder Sohn sein, nicht Vormund, dann bin ich mir leider nicht sicher, ob das wieder so möglich sein wird, wie er sich das wünscht. Ein gesetzlicher Betreuer ist nicht 24 Stunden am Tag verfügbar, sondern kümmert sich normalerweise zu Geschäftszeiten und zusätzlich halt so viel es seine begrenzte Zeit erlaubt (Berufsbetreuer haben viele Klienten, denen sie allen gerecht werden müssen). In einem medizinischen Notfall ist es in Ihrem Fall sicher besser, die Familie anzurufen, wenn Sie in der Nähe leben. Sie kennen die Patientin gut und können schneller helfen.

Durch die Demenzerkrankung verändern sich die Rollenverteilungen in Familien. Es ist schwer, zu akzeptieren, dass man sich plötzlich um eine nahestehende Person kümmern soll, von der man doch selbst umsorgt werden möchte. Das ist ein Prozess und der braucht Zeit und kostet Kraft. Ich hoffe, Ihr Mann findet mit Ihnen zusammen einen Weg, dass er sich entlastet fühlt (wozu er absolut das Recht hat) und dennoch für seine Mutter da sein kann ohne zu verzagen. 

Zu Ihrer zweiten Frage: Hier treffen mehrere Probleme aufeinander. Sie haben geschrieben, dass Ihre Schwiegermutter nach der Diagnosestellung keine Untersuchung mehr wollte. Geht sie gar nicht zum Arzt? Das finde ich deswegen schwierig, weil man so nie weiß, wo sie a) im Krankheitsverlauf steht und b) welche Therapie ihr gerade helfen könnte. Ihre ablehnende Haltung, ihre mitunter aggressiven Durchbrüche sind nicht nur ihre Persönlichkeit, sondern sicher auch durch die Erkrankung bedingt. Ihr fehlen Regulationsmechanismen, sie leidet sicher selbst unter ihrer Emotionalität, auch wenn sie es so nicht kommuniziert. Normalerweise würde man hier versuchen, medikamentös zu helfen: Sie zu unterstützen, sich zu entspannen. Vielleicht käme sie dann auch mit den Pflegerinnen besser zurecht. Ist es eine Option, die Agentur erstmal zu wechseln, bevor man einen Umzug erwägt?

Was eine Heimunterbringung anbelangt: Wir können uns da alle hineinversetzen: Das eigene Zuhause verlassen zu müssen, ist nie schön. Aber: Wird eine gute stationäre Einrichtung gefunden, in der man sich liebevoll um die BewohnerInnen kümmert, fühlen sich viele dann doch wohl. Man muss es tatsächlich versuchen, wenn andere Lösungen scheitern. Wichtig ist, dass Sie als Familie sich die Zeit nehmen, eine Einrichtung zu finden, die einen guten Eindruck macht, wo die Leitung bemüht ist, die Pflegekräfte empathisch sind und wo es gute Strukturen gibt, die Gäste zu aktivieren und Gemeinschaft zu fördern. Wäre eine Idee, erst einmal eine Kurzzeitpflege zu versuchen? Ihrer Schwiegermutter zu sagen, sie gehe da drei Wochen hin und könne lediglich  „hineinschnuppern“? So hätte sie die Gewissheit, wieder nach Hause zu dürfen, könnte aber gleichzeitig hoffentlich positive Erfahrungen machen. Sie würde erfahren, dass sie weniger einsam wäre und würde nette Menschen kennenlernen, die sich um sie bemühen.

Menschen mit Demenz können im Verlauf ihrer Erkrankung Situationen nicht mehr vollumfassend verstehen und keine guten Entscheidungen mehr treffen. Dann müssen Sie das tun. Sie, die wissen, was Ihrer Schwiegermutter gut täte. Geben Sie ihr die Chance, zu erfahren, dass ein Zuhause nicht nur das eigene Haus sein muss. Und vielleicht können Sie ihr helfen, nicht mehr so schwermütig sein zu müssen. Vielleicht kann man ihr medikamentös helfen, wenn sie eine Depression hat.
 



Mein Vater (82), selbst schwer krebskrank, ist der festen Überzeugung, dass meine Mutter (80) an Demenz leidet, zumindest, dass das Demenz-Geschehen bei ihr eingesetzt hat. Deshalb traut er ihr nichts mehr zu/vertraut ihr nicht mehr, was die Pflege (die zu übernehmen sie bereit und fähig wäre) sehr schwer macht. Er war seinerseits vor einigen Wochen für zwei Tage in der Psychiatrie (Delir, wohl ausgelöst durch Dehydrierung, Chemo-Medikamente, völlige Überforderung), wo der Verdacht auf beginnende vaskuläre Demenz bei ihm geäußert wurde. Er war aber nicht bereit zu einer eingehenderen Abklärung. Meine Mutter war bereits vor Wochen beim Neurologen, um den Verdacht (für sich selbst) prüfen zu lassen. Der Neurologe hat sie nach Schilderung der Phänomene heimgeschickt mit der "Diagnose" übliche Altersvergesslichkeit und nicht einmal getestet. Leider ist er seither im Urlaub, der Bericht liegt mir nicht vor. Was kann ich tun, um meinem Vater zu beweisen, dass meine Mutter lediglich etwas vergesslich und vor allem mit den Nerven am Ende ist? Was kann ich machen, um sicher zu gehen, ob sie dement ist/wird? Es gibt hier in der Nähe eine Gedächtnissprechstunde, aber Termine erst wieder in ca. einem Monat. Gibt es einen Fragebogen/Selbsttest, den Sie empfehlen können? 

Die Situation Ihrer Eltern ist wirklich nicht einfach. Selbst wenn Ihre Mutter keine beginnende Demenz hat, empfehle ich Ihnen, die Sorgen/Nöte Ihres Vaters ernst zu nehmen und sie, wenn möglich, bei der Pflege ihres Mannes zu entlasten. Eine Krebserkrankung und die damit verbundene Behandlung schwächt Ihren Vater sicher ungemein und Ihre Mutter kann das pflegerisch und versorgerisch vielleicht wirklich nicht mehr leisten. Selbst ohne Demenz ist das in dem Alter kaum machbar. Selbst wenn sie keine beginnende Demenzerkrankung hat, ist das Risiko im Moment hoch, dass sie aufgrund der psychischen Überforderung selbst krank wird. 

Ich würde auch in jedem Fall empfehlen, eine differenzierte Demenzabklärung bei Ihrer Mutter vornehmen zu lassen. Der Neurologe ist nicht der Richtige dafür, wenn er sie ohne Untersuchungen weggeschickt hat. Eine Gedächtnissprechstunde ist der richtige Weg und ein Termin in ca. einem Monat ist gut (das ist eine kurze Wartezeit). 

Von Fragebögen/Selbsttests, wie man sie im Internet findet, rate ich unbedingt ab. Eine Demenzabklärung ist eine komplexe Sache, die unterschiedlichste Untersuchungen beinhaltet (cMRT, Laborwerte aus Blut und Nervenwasser, neuropsychologische Untersuchung, neurologische Untersuchung, Anamnese etc.). Ein Selbsttest allein, bei dem rauskommt, dass man sich etwas nicht merken kann, hat keine Aussagekraft. Ich wünsche Ihnen und Ihren Eltern alles Gute und viel Kraft für diese Zeit.
 



Ich (62) verlege sehr viel, vergesse sehr viel – gerade was ich in den letzten Minuten getan habe. Ich hatte Familienangehörige, die Parkinson-Demenz hatten und meine Mutter hatte Demenz im Höchststadium. Ich bin wegen psychischen Problemen, bei einem Psychiater; dieser hält nicht viel von einem Demenz-Verdacht. Er meint ich soll alles bewusster machen. Mir macht es aber trotzdem Sorgen. Ich lebe in München – welche Möglichkeiten habe ich hier?

Es kann sein, dass Ihr Psychiater die von Ihnen berichteten Gedächtnisdefizite im Rahmen einer psychiatrischen Diagnose einordnet. Bei schweren Depressionen kann es zum Beispiel begleitend auch zu Symptomen kommen, die wie eine Demenz wirken. Geht es den Patienten dann psychisch wieder besser, gehen auch die kognitiven Störungen zurück. 

Sind die Symptome mit Ihren psychischen Beschwerden zeitlich in Verbindung zu setzen oder eher unabhängig davon? Haben Sie das Gefühl, Sie sind durch Ihre Vergesslichkeit im Alltag eingeschränkt? Gehen eigentlich routinierte Tätigkeiten nicht mehr so gut? Haben Sie das Gefühl, die Veränderungen sind zunehmend? Das alles wären zusätzliche Argumente, um die von Ihnen beschriebenen Symptome genauer anzuschauen. 

So oder so – auch aufgrund Ihrer Familienangehörigen mit Demenzerkrankungen macht es Sinn, "lieber früher als später" draufzuschauen. Ich empfehle Ihnen die Anmeldung in einer Gedächtnisambulanz. Die TU München hat zum Beispiel eine sehr gute Gedächtnisambulanz
 



Braucht es bei der genetischen Blutuntersuchung bei Frontotemporaler Demenz (FTD) das Blut des Betroffenen oder kann auch nur das Blut eines Kindes untersucht werden, ob das defekte Gen vererbt wurde?

Zuerst muss festgestellt werden, ob die Erkrankung des Betroffenen tatsächlich genetisch bedingt ist. Viele FTD-Erkrankungen sind sporadisch, also ohne eindeutigen genetischen Befund, sodass das erstmal geklärt werden muss. Sollte wirklich eine Genmutation vorliegen, würde sein Kind als nächsten Schritt eine ausführliche genetische Beratung brauchen. Hier wird das Für und Wider einer Untersuchung besprochen. Wenn das Kind dann immer noch sicher ist, den genetischen Status wissen zu wollen, kann eine Blutabnahme erfolgen. 
 



Mein Vater ist an Alzheimer Demenz erkrankt. Ich bin 62 Jahre alt, noch berufstätig und dabei in leitender Position sehr stark eingespannt. Ich fühle mich aufgrund der Vielzahl der Tätigkeiten durchaus öfter überfordert. Seit mehr als einem Jahr stelle ich Symptome bei mir fest, die man auch im Bereich der Demenz einordnen könnte. Dazu gehört vor allem die Vergesslichkeit im Kurzzeit-Gedächtnis: Ich nehme in derWaschküche das Taschentuch aus meiner Hose, weil ich es wieder mit nach oben nehmen will. Dann mache ich noch kurz etwas anderes in der Waschküche und vergesse dann, das Taschentuch mitzunehmen. In der Regel bin ich dann mit meinen Gedanken schon ganz woanders, oft bei etwas, was ich noch erledigen will. Ich möchte jetzt zu meiner Hausärztin gehen und um eine Untersuchung auf Demenz bitten. Halten Sie das für angebracht? Reicht es, wenn ich der Hausärztin das so "allgemein" sage, oder soll ich bereits auf bestimmten Untersuchungen "bestehen"?

Es kann viele Ursachen für die von Ihnen beschriebenen Auffälligkeiten geben, wobei eine beginnende Demenz nicht die wahrscheinlichste Diagnose sein muss. Die Vergesslichkeit könnte eine Folge eines anderen Problems, beispielsweise einer Über- oder Belastung sein. Ich bitte Sie, sich selbst erst einmal folgende Fragen zu beantworten:
1. War der Beginn schleichend und nehmen die Defizite zu?
2. Sind Sie durch diese Defizite in ihrem Alltag eingeschränkt und kriegen ihn tatsächlich nicht mehr hin?

Wenn Sie die Fragen mit „ja“ beantworten würden, dann würde ich Ihnen auf jeden Fall raten, es einmal abklären zu lassen. Ihre Hausärztin kann Ihnen eine Überweisung ausstellen. Gehen Sie zu einem niedergelassenen Neurologen – oder noch besser aufgrund Ihres jungen Alters – in eine spezialisierte Gedächtnisambulanz. Zum Ausschluss einer Alzheimer-Pathologie wäre beispielsweise eine Nervenwasseruntersuchung nötig. Ein MRT würde Aufschluss über einen möglichen Hirnschwund geben. Eine neuropsychologische Untersuchung könnte genutzt werden, um die Vergesslichkeit gegebenenfalls zu objektivieren.

Aber auch wenn Sie die beiden obigen Fragen nicht eindeutig mit „ja“ beantworten würden, steht es Ihnen natürlich frei, eine Demenzabklärung durchführen zu lassen. Ich möchte Ihnen nur Ihre Sorgen etwas nehmen und deutlich machen, dass es viele Erklärungen für Ihre Vergesslichkeit geben kann.

Versuchen Sie in jedem Fall, Stress zu reduzieren. Vielleicht ist ein Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber nötig und Sie finden gemeinsam eine Lösung, wie Sie die gefühlte Überforderung reduzieren können. Treiben Sie außerdem regelmäßig mäßigen Sport, essen Sie gesund und lassen Sie es sich gutgehen! Achten Sie ferner auf Ihren Blutdruck und die Cholesterinwerte.

Demenztherapie

 

Sollte man nach einer Demenz Diagnose nochmal zum Arzt oder ist das sinnlos?

Man sollte in regelmäßigen Abständen zum Arzt gehen. Dafür gibt es viele Argumente, hier beispielhaft ein paar wichtige:

  1.  Bei einer Demenz, die fortschreitet, verändern sich immer wieder die Symptome. Auf diese sollte man reagieren können. Vielleicht hilft mal ein bestimmtes Medikament, vielleicht unterstützt ein Rezept für andere Therapien wie Logopädie oder Ergotherapie. Da muss aber erstmal ein Arzt draufschauen und die Rezepte dann ausstellen.
  2. Wenn sich der Zustand verschlechtert, muss der Pflegegrad erhöht werden. Dafür brauchen Sie einen aktuellen Arztbrief, der dann dem medizinischen Dienst der Krankenkassen als Entscheidungshilfe dient.
  3. Im Verlauf der Erkrankung können Komplikationen auftreten wie beispielsweise Schluckstörungen. Diese schränken die Lebensqualität enorm ein und können gefährlich werden. Der behandelnde Arzt muss da unbedingt ein Auge draufhaben.
  4. Regelmäßige Untersuchungen helfen Ihnen, die aktuelle Erkrankungsschwere zu verstehen und entsprechende Maßnahmen für den Alltag zu treffen.

Weitere Infos:



Mein Papa hat FTD. Aber keine Beobachtung des Verlaufs oder so durch eine Klinik, nur durch den Hausarzt. Reicht das?

Grundsätzlich würde ich immer empfehlen, zu einem Facharzt oder besser noch in eine Gedächtnissprechstunde zu gehen. Dort haben die KollegInnen mehr Erfahrung mit dieser seltenen Demenzform. Hier sind ganz individuelle Lösungen wichtig, weil gängige Unterstützungsleistungen nicht so gut greifen. Die Symptome sind einfach speziell. Außerdem ist es wichtig, regelmäßig den Verlauf untersuchen zu lassen. Damit ihr als Angehörige wisst, was ihr tun könnt und müsst.

Es gibt aber durchaus gute Hausärzte, die gewillt sind, sich in die Materie einzuarbeiten. Wenn ihr euch gut aufgehoben fühlt, dann ist euer Weg nicht falsch. Aber einen weiteren Experten ins Boot zu holen, macht immer Sinn. Gerade wenn man medikamentös eingreifen muss.
 



Mein Mann hat im letzten halben Jahr massiv abgebaut. Er hat vorher viel kompensiert, da er ein geistig agiler, offener Mensch und studierter BWLer ist und mittem im Leben stand. Jetzt weiß er nicht mehr, wie der Herd angeht und kann sich nicht mehr alleine etwas kochen. Er hat keine Orientierung und verliert ständig Wörter beim Sprechen. Mit welchem weiteren Verlauf muss ich rechnen? Geht das mit dieser rasanten Geschwindigkeit bergab?

Sie haben tatsächlich einen wichtigen Faktor genannt: Die Bildung Ihres Mannes. Demenzpatienten mit hohem Bildungsgrad haben größere kognitive Reserven als andere Betroffene, welche es ihnen ermöglichen, beginnende Demenzsymptome länger zu kompensieren. Daher wird die Diagnose auch oft erst später als bei anderen gestellt - weil die Defizite eben erst später auffallen. 

Grundsätzlich ist die wissenschaftliche Datenlage nicht eindeutig, ob „Young Onset AD“, also die Alzheimer Demenz mit frühem Beginn, wirklich rasanter verläuft. Eher werden sie später diagnostiziert und wirken dann, als würden sie schnell „abbauen“. Ohne Ihren Mann zu kennen, kann es gut sein, dass die Erkrankung länger als sie glauben in ihm „arbeitete“ ohne im Alltag sichtbar zu werden. Nun, wo die Erkrankung fortschreitet, gehen nach und nach leider die Kompensationsmöglichkeiten verloren. Wie schnell oder langsam das jetzt weitergeht, kann Ihnen niemand beantworten, da jeder Verlauf sehr individuell ist. 

Versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Mann, dem Krankheitsverlauf aktiv entgegenzutreten. Ergotherapie und Logopädie sind da beispielsweise wertvolle Maßnahmen, um erhaltene Fähigkeiten zu stärken und seinen Zustand so gut es geht zu stabilisieren. Wenn er am Familienleben teilhaben und sein Leben weiterhin aktiv gestalten kann, ist das von unschätzbarem Wert. Klingt immer etwas trivial, ist es aber nicht. Lebensqualität zu erhalten, Selbstwirksamkeit zu stärken und Teilhabe sind wichtige stabilisierende Faktoren.
 



Meine Mutter hatte gerade Corona. Kann das einen Demzschub auslösen? 

Es gibt keine wissenschaftlichen Daten zu „Demenzschüben“ und Corona. Aber jede Infektion hat einen Einfluss auf ihren Allgemeinzustand. Es kann gut sein, dass sie Zeit braucht, um sich zu erholen und eine Zeit lang „verwirrter“ wirkt als sonst.

Hilfe für Angehörige

 

Meine Oma hat Demenz und lebt immer noch alleine in der Wohnung. Sollen wir das Alleineleben fördern?

Gerade wenn das Gedächtnis nachlässt, bedeuten die eigenen vier Wände Sicherheit. Ich bin immer dafür, die von Demenz Betroffenen so lange wie möglich zu Hause leben zu lassen. Aber es braucht Unterstützung. Vorsicht vor Gefahrenquellen wie beispielsweise dem Herd.

Auch wenn es so aussieht, als würde der Alltag einigermaßen klappen, bitte ich um Achtsamkeit: Jemand sollte regelmäßig schauen, ob alles passt. Dies kann ein Angehöriger sein, eine Betreuungskraft oder ähnliches. Wenn Alltagskompetenzen zunehmend nachlassen, wird es vielleicht irgendwann nötig, dass eine Pflegekraft fest vor Ort ist. Lassen Sie sich gut beraten, welche Möglichkeiten es gibt, um zu Hause zu betreuen und später zu pflegen.
 



Macht es Sinn einen Vormund zu bestimmen?

Durch die nachlassenden geistigen Fähigkeiten sind von Demenz Betroffene irgendwann nicht mehr in der Lage, sich um ihre Angelegenheiten selbst zu kümmern. Sie brauchen dann jemanden, welcher nach Ihrem Wunsch Entscheidungen trifft. Dies kann ein gesetzlicher Betreuer sein (wird vom Betreuungsgericht festgelegt), aber auch ein oder mehrere Angehörige. Sie kümmern sich um finanzielle Dinge, medizinische Fragen, Aufenthaltsbestimmung etc. sobald der Patient nicht mehr selbst in der Lage ist seinen Willen zu äußern.

Meiner Meinung nach ist es sinnvoll, bereits frühzeitig – am besten, wenn man noch gesund ist – festzulegen, wer so eine Betreuung übernehmen soll. Optimal ist es, wenn ein Familienmitglied bereit dazu ist, weil Familienmitglieder am ehesten wissen, was der oder die Betroffene möchte. Aber auch ein vom Gericht bestellter Betreuer kann sinnvoll sein, wenn kein Angehöriger in der Nähe lebt oder wenn es die Familie überfordern würde.
 



Dürfen Menschen mit Demenz mal ein Glas Alkohol trinken oder sollte man lieber ganz drauf verzichten?

Grundsätzlich kann man Alkohol natürlich nicht empfehlen, regelmäßiger Alkoholkonsum schadet. Aber ab und zu ein Gläschen bedeutet auch Lebensqualität, zum Beispiel „wie früher“ einen guten Tropfen oder ein kleines Bier zu trinken. Da würde ich ein Auge
zudrücken, das hat bei mäßigem Konsum dann auch keine gesundheitlichen Konsequenzen.
 



Meine Mutter ist mittelgradig dement und lebt in einem Wohnstift mit betreutem Wohnen. Sie bringt die Pflegekräfte dort zur Verzweiflung, weil sie ihre Schutzmaske nicht trägt und auf Ansprache aggressiv reagiert. Wenn ich mit ihr rede ist sie einsichtig, aber sobald ich nicht da bin, geht das Spiel von vorne los. Was kann ich tun ?

Sie sprechen hier ein Problem an, das uns seit der Pandemie häufig begleitet. Man muss verstehen, dass Menschen mit kognitiven Einschränkungen natürlich nicht vollumfänglich verstehen können, warum sie eine Maske tragen sollen. Je weiter fortgeschritten die Demenz ist, desto weniger ist den Betroffenen überhaupt klar, dass es eine Pandemie gibt und was sie bedeutet. 

Es macht keinen Sinn, mit ihnen darüber zu diskutieren oder sie gar maßzuregeln. Das fördert nur negative Emotionen und hilft nicht weiter. Es ist gut nachvollziehbar, dass Ihre Mutter bei Ihnen einsichtiger ist, denn Sie sind eine vertraute Person, die mit Sicherheit gut mit ihr umgehen kann. Außenstehende können dagegen eher Verunsicherung hervorrufen; die einzige Reaktion, die dem Betroffenen dann noch möglich ist, ist Abwehr/Aggression.

Die KollegInnen werden wissen, dass es wichtig ist, das Nicht-Tragen der Maske in solchen Situationen erst einmal zu akzeptieren. Regelmäßige Coronatests erhöhen hier die Sicherheit für die Pflegekräfte und Patienten. Ein wertschätzender Umgang ist immer einzuhalten - die Betroffenen können nichts für ihr Nicht-Wissen, ihre Vorbehalte und Ängste. In entspannter Atmosphäre kann, wenn ein bisschen Zeit verstrichen ist, durchaus ein neuer Versuch gestartet werden, die Maske anzulegen.

Ich schicke Ihnen hierfür einen sehr interessanten Link der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg, in dem hilfreiche Tipps zu diesem Thema zusammengestellt sind: Umgang mit einem Mund-Nasen-Schutz bei Demenz.
 



Wie reagiere ich, wenn meine Mutter mehrmals hintereinander die gleichen Fragen stellt (z.B. welcher Tag ist heute?)? Ich merke, dass ich schnell ungehalten werde, obwohl mir bewusst ist, dass sie dafür ja nichts kann. Beantworte ich jedes mal die Frage oder kann ich auch sagen: "Mutter, schau mal, das haben wir doch eben schon besprochen." Es fällt mir sehr schwer, hier regelmäßig geduldig zu antworten. Eine fachliche Demenz-Diagnose besteht bei meiner Mutter nicht, aber die Pflegekräfte im Betreuten Wohnen gehen zu 100 Prozent von Demenz plus "normaler" Altersvergesslichkeit aus.

Dass man in solchen Situationen erstmal ungehalten wird, ist nur verständlich. Für uns als „Gesunde“ ist dieses Verhalten einfach nicht nachvollziehbar. Ihre Mutter aber fragt deswegen wiederholt, weil sie Ihre Antwort nicht behalten kann. Was passiert nun, wenn Sie sie darauf hinweisen und ihr sagen, Sie hätten das doch schon besprochen? Sie wird sich wohl schmerzlich ihrer eigenen Defizite bewusst, kann aber ja leider nichts für ihre Vergesslichkeit. Das bedeutet, Sie müssen lernen, sie in ihren Gedächtnisdefiziten zu begleiten und geduldig zu bleiben. Antworten Sie ihr, wenn Sie es schaffen, ein paar Mal und geben Sie ihr so ein gutes Gefühl. Dann lenken Sie sanft ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes. Was interessiert sie, womit könnten Sie sie ablenken? Oft hilft schon ein Themenwechsel und ein liebevolles Lächeln, um die drängende Frage aus ihrem Kopf zu bekommen.

Und: Wenn Sie die Möglichkeit haben, lassen Sie die Demenz doch von einem Facharzt untersuchen. Es gibt Möglichkeiten, den Abbauprozess zu verlangsamen und ihren Zustand zu stabilisieren, aber dafür muss man erst einmal schauen, wo genau Ihre Mutter in der Erkrankung steht. Dass sie in einem betreuten Wohnen lebt, ist schon mal „Gold wert“. Die Pflegekräfte werden sich sicher auch immer ein Bild machen und Sie informieren, sollte sich ihr Zustand so stark verschlechtern, dass man etwas unternehmen muss.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft beim „sich in Geduld üben“, suchen Sie nach den Ressourcen Ihrer Mutter, die gibt es sicher! Reden Sie mit ihr über Früher, schauen Sie gemeinsam alte Fotos an, hören Sie zusammen Musik, die sie gern hat. Das wird Ihnen beiden Wohlfühlmomente bescheren, da bin ich mir sicher.
 



Ich betreue meinen Mann (Pflegegrad 4) seit 16 Jahren ohne Hilfe und bin mit der Betreuung und Pflege am Rand meiner Kräfte. Ich will ihn aber nicht in ein Heim geben, er ist ja bis zu einem gewissen Grad noch da, wenn auch immer weniger. Wie schaffe ich es weiterzumachen?

Es berührt mich sehr, was Sie schreiben und ich hoffe, meine Zeilen haben einen Mehrwert für Sie. Die Belastung pflegender Angehöriger ist enorm und man kann seine eigene Gesundheit nur schützen, indem man sich Unterstützung holt. Jemand, der nicht selbst erlebt hat, was Sie erleben, kann kaum ermessen, was dieses Leben bedeutet. Als ich meine Großmutter gepflegt habe, habe ich psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Nicht weil tatsächlich eine psychiatrische Diagnose bestand, sondern weil es meiner Meinung nach ganz wichtig ist, Selbstfürsorge zu betreiben.

Ich erzähle Ihnen mal, was „meinen Angehörigen“ hilft, die zu mir in die Uniklinik kommen. In Zusammenarbeit mit einer Demenzberatungsstelle in Ulm veranstalte ich regelmäßige Angehörigentreffen: Gesprächsgruppen, in denen sich die Leute austauschen können, die alle dasselbe erleben. Jeder Schmerz, jede Sorge, jede Frage ist den Teilnehmendenbekannt und alle profitieren sehr von dem Austausch, auch emotional. Haben Sie solch ein Angebot mal in Anspruch genommen?

Meine Kollegin, die die Demenzberatung durchführt, schnürt mit den Angehörigen im Einzelgespräch passende „Pakete“ zur Unterstützung. Hilft vielleicht eine Tagespflege, um den Betroffenen soziale Kontakte und der Angehörigen ein paar Stunden „Auszeit“ zu ermöglichen? Welche stundenweise Entlastung ist im Alltag möglich? Könnte jemand ins Haus kommen, um Aufgaben zu übernehmen? Ist vielleicht eine 24-Stunden-Pflegekraft eine Option? In München gibt es den Verein Wohlbedacht e.V.. Hier kann man den Betroffenen auch mal übers Wochenende in Pflege geben, wenn man selbst ein paar Tage für sich braucht oder einen Kurzurlaub machen möchte. Wäre das eine Option? Eine „klassische“ Kurzzeitpflege für drei Wochen ist für Sie wahrscheinlich nicht das Richtige, nehme ich an? Es wäre auf jeden Fall sehr wichtig, dass Sie nicht alleine sind mit der Betreuung. Wenn es Ihnen gut geht, schaffen Sie auch die Pflege Ihres Mannes besser. 

Ich gehe mit den Angehörigen auch immer mögliche Therapieoptionen durch. Was könnte dem Betroffenen gut tun, ihn stabilisieren? Ergotherapie und Logopädie sind hier sehr wertvolle Beispiele. Aufgrund der Diagnose werden Dauerbehandlungen von der Krankenkasse bezahlt. 

Ist da schon irgendwas dabei, was Sie noch nicht wussten oder selbst versucht haben?
 


 

Mein Mann liebt Musik, aber in Konzertsälen kann er aufgrund seiner Demenz nicht mehr lange sitzen und zuhören. Wir haben unser Konzertabo deswegen aufgeben müssen. Fallen Ihnen hier andere Möglichkeiten ein?

Dass Ihr Mann Musik liebt, kann auch ein großer Schatz sein. Ich kann gut nachvollziehen, dass er nicht mehr auf ein normales Konzert gehen kann. Aber gibt es bei Ihnen vielleicht spezielle Angebote für demenziell veränderte Personen? Wenn Sie in oder um München herum wohnen, könnten Sie mal ein „Musik im Kopf“ Konzert von Desideria Care besuchen. Da ist das Programm extra auch auf Betroffene ausgerichtet. 

Zu den Musik im Kopf-Konzerten

 



Seit über 40 Jahren bin ich mit einem ehemaligen Arbeitskollegen befreundet. Seit etwa fünf Jahren hat er die Diagnose "Alzheimer". Was mit  Wortfindungsproblemen auffällig wurde, hat sich inzwischen soweit gesteigert, dass er sich verbal nicht mehr verständlich ausdrücken kann. Wir treffen uns gelegentlich mit unseren Ehefrauen zum Kaffeetrinken, sitzen am Tisch und erzählen. Gelegentlich äußert er sich verbal, wobei nicht erkennbar ist, was er sagen will oder worauf er sich bezieht. Außer Gesprächen haben wir versucht, einfache, sprachfreie Spiele mit ihm zu spielen. Erfolglos. Auch die Animation zur Beteiligung mit einfachen Musikinstrumenten bewirkten nichts. Nur durch Zuwendung in Form von stimmlichen Äußerungen oder Berührungen wirken, indem sie leichte Gefühlsregungen erkennen lassen. Ich selbst erlebe die Begegnungen anstrengend, auch weil sie mich mit meiner Hilflosigkeit konfrontieren. Was könnte ich tun/versuchen, um mehr Gemeinsamkeit, Kommunikation, Austausch mit ihm zu erreichen?

 

Erstmal möchte ich Ihnen sagen, dass es toll ist, dass Sie sich um Ihren ehemaligen Arbeitskollegen so bemühen. Mit ihm Zeit zu verbringen und ihm Teilhabe zu ermöglichen, ist genau das, was ich mir für jeden und jede Betroffene wünschen würde. Ich verstehe Sie aber, dass Sie die Begegnungen als anstrengend erleben. Nicht zu wissen, ob beim Gegenüber etwas ankommt, ihn „nicht lesen“ zu können und kaum Reaktion zu erhalten, ist schwer. Wie schön wäre es, man fände eine Art „Trigger“, welcher den Betroffenen plötzlich wieder aufklaren lässt, um sich wieder mehr mit ihm austauschen zu können. In der ARD Mediathek gibt es eine Doku, in welcher ich u.a. so eine Situation zeige: Ein Demenzpatient macht etwas, was ihm früher viel bedeutet hat (in dem konkreten Fall war es, Geige zu spielen) und findet dadurch wieder für eine kurze Zeit Zugang zu sich selbst, wirkt viel wacher und offener. 

Was ich damit sagen möchte, ist, dass es immer hilft, mit dem Betroffenen Dinge zu tun oder etwas anzuschauen, was er gern hatte. Was ihm etwas bedeutet hat. Das können wirklich Kleinigkeiten sein. In dem Film sieht man beispielsweise auch, wie ich einfach ein paar alte Gegenstände mitbringe und mit Demenzpatienten anschaue. Das waren super schöne Momente, weil sie trotz schwerer Demenz die alten Sachen wiedererkannten. Und teilweise sogar darüber sprachen, obwohl sie sich sonst kaum mehr äußern. Was haben Sie früher zusammen gemacht. Könnte man sogar etwas aus der Arbeit nutzen? Und wenn es nur bedeutet, mal alte Fotos anzuschauen. Oder vielleicht zusammen ein Fußballspiel im Fernsehen zu schauen? Alles hilft.

Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn er nach außen nicht so deutlich reagiert, wie man sich das wünscht. Es ist wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass eine Alzheimer Demenz eine fortschreitende Erkrankung ist, deren Verlauf sehr individuell ist. Die betroffenen Hirnregionen breiten sich aus, gleichzeitig verlieren die Betroffenen dadurch immer mehr Alltagskompetenzen und sprachliche Fähigkeiten. Die Fähigkeit, sozial zu interagieren, kann im Verlauf stark herabgesetzt sein. Dies bedeutet aber nicht, dass die Emotionalität an sich verloren ist. Unterschätzen Sie Ihren Freund nicht. Auch wenn er nicht mit Ihnen kommuniziert oder es nicht zeigen kann, so  sind Ihre Besuche sicher wichtige Säulen, sich an seine eigene Identität zu erinnern, sich seiner Selbst bewusst zu sein und Wohlfühlmomente zu haben.

Seien Sie sich bewusst, dass Sie wirklich Gutes tun. Versuchen Sie sich zu entspannen, indem Sie Ihre Erwartungen runterschrauben, denn Sie sind wirklich alles andere als hilflos, auch wenn Sie es so empfinden. Er muss nicht mit Ihnen interagieren. Das wird vielleicht wirklich nicht mehr in dem Maße gelingen, wie Sie sich das vorstellen. Aber allein dass Sie da sind, ist von unschätzbarem Wert. Und wenn er dann zwischendurch mal versucht, sich am Gespräch zu beteiligen, dann beziehen Sie ihn ein, stimmen Sie ihm zu, auch wenn Sie ihn nicht verstehen. So selbstverständlich, wie er früher Ihr Kollege war, so sollte er es auch heute sein. Arbeiten Sie mit Berührungen, geben Sie ihm Nähe. Lachen Sie und ratschen Sie in der Gruppe und er ist einfach dabei. Das ist „viel mehr“, als Sie im Moment glauben. 
 



Meine Mutter (89 Jahre) lebt noch relativ selbstständig in ihrer Wohnung. Seit einigen Wochen hat sie das Bedürfnis, möglichst wenige Dinge zu hinterlassen. So wird zum Beispiel der Kleiderschrank „bereinigt“. Dabei findet sie immer wieder Kleidungsstücke, die sie viele Jahre getragen hat, jetzt nicht mehr erkennt und der Meinung ist, dass diese Sachen heimlich von meiner Tochter in den Schrank gelegt wurden. Oder Kleidungsstücke, die ihr jetzt zu klein sind, soll meine Tochter heimlich enger genäht haben. Geld wurde angeblich entwendet – ich habe es aber immer wieder an anderen Orten gefunden. Und es gibt noch weitere Beispiele. Meine Tochter hat gar keinen Schlüssel zur Wohnung meiner Mutter. Das Verhältnis zu ihrer Oma war immer sehr herzlich. Ich stehe meiner Mutter in solchen Situationen immer etwas hilflos gegenüber, zumal sie dabei einen aggressiven Ton benutzt.Wie reagiere ich da richtig? 

Im Endeffekt erlebt Ihre Mutter diese Situationen ja als real. Das muss man erst einmal anerkennen. Sie wird nur noch verzweifelter, wenn man nicht darauf eingeht und sie sich nicht ernst genommen fühlt. Versuchen Sie mal, Sie in Ihren Nöten zu „hören“. Versuchen Sie zum Beispiel, ihr zu antworten, dass Sie mit Ihrer Tochter sprechen würden, dass sie keine Klamotten mehr in den Schrank legt und auch nichts mehr umnäht. Sagen Sie ihr, dass Sie ihr Ärgernis verstehen und ihr helfen. Geben Sie solch einem Gespräch natürlich nicht zu viel Raum, lenken Sie die Aufmerksamkeit danach sanft auf etwas anderes. Aber werden Sie grundsätzlich Teil der Welt Ihrer Mutter, um ihr in dem Moment den Leidensdruck zu nehmen. 

Aus medizinischer Sicht möchte ich Ihnen gerne dringend empfehlen, einen Arzt (Neurologe oder Psychiater) zu kontaktieren. Diese Verhaltensweisen sind nicht Teil eines normalen Älterwerdens, sondern wirken auf mich psychotisch und bedürfen ärztlicher Hilfe. Solche Symptome kommen bei demenziellen Entwicklungen immer wieder mal vor und sollten nicht unbeachtet gelassen werden, weil sie großen Leidensdruck erzeugen und durch ein Ungleichgewicht physiologischer Prozesse im Gehirn ausgelöst werden. Es gibt Medikamente, die hier helfen können. 
 



Leider hat die Krankheit Demenz meine Mutter und meinen Vater (beide Mitte 80) erwischt, aber bei beiden komplett anders: Meine Mutter sitzt neben mir und sagt: „Also xxxxx hat sich auch schon lange nicht mehr lange sehen lassen“ – obwohl ich neben ihr sitze. Oder sie sieht Leute, die gar nicht da sind, das dann meistens abends. Mein Vater hat die klassischen Symptome, frägt das Gleiche gefühlt hundertmal in fünf Minuten, wird unwirsch, wenn ich ihn auf etwas hinweise. Er muss zum Duschen gezwungen werden etc. Ich bin die einzige Tochter und hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Ich schlafe seit zwei Jahren bei meinen Eltern, weil meine Mutter abends irgendwie Angst/Panik hat. Ich helfe ihr beim Duschen, Anziehen und kümmere mich um alles. Die beiden gehen jetzt viermal die Woche in die Tagespflege, aber ich bin so langsam fix und alle, ich habe kein Leben mehr: Ich bin voll berufstätig und oft verzweifelt. Heute habe ich ein Gespräch mit einem Pflegedienst, die auch stundenweise abends kommen würden, zum "Aufpassen“. Wie bekomme ich es hin, für mich mehr Freiräume zu schaffen, ohne dass ich mich schlecht dabei fühle? Wie kann ich das meinen Eltern am besten "verkaufen"? Ich habe mich schon schlecht gefühlt, als ich beide in die Tagespflege gegeben haben, sie gehen da gerne hin und es ist ein Segen, dass es das gibt.

Es tut mir sehr leid, dass Ihre beiden Eltern von Demenz betroffen sind, und ich finde es bewundernswert, wie sehr Sie sich einsetzen. Seien Sie sich jeden Moment bewusst, dass Sie alles in Ihrer Macht stehende tun. Es ist OK, Entscheidungen zu treffen, die auch schwierig sein können. Sie wollen das Beste für Ihre Eltern. Wichtig ist aber auch, dass Sie selbst gesund bleiben, sich nicht aufreiben und irgendwann gar nicht mehr für Ihre Familie da sein können.

Dass Ihre Eltern eine Tagespflege akzeptiert haben, ist doch ein wunderbarer Anfang. Das Gespräch mit dem Pflegedienst war hoffentlich auch erfolgreich. Priorität muss jetzt aber auch der Termin beim Neurologen sein. Wenn Ihre Mutter Leute sieht, die nicht da sind, könnten das wirkliche psychotische Symptome sein (kommt manchmal vor bei Demenz), also Halluzinationen, und die muss man unbedingt medikamentös behandeln. Sie erzeugen einfach großen Leidensdruck. Es gibt heutzutage gute Wirkstoffe, die da helfen. Auch die Aggressivität Ihres Vaters kann durch die Erkrankung kommen und es ist wichtig, dass Sie das dem Arzt sagen. 

Wäre eine 24-Stunden-Pflegekraft im Haus Ihrer Eltern denkbar? Ich glaube - ohne Sie zu kennen - dass die momentane Lösung auf Dauer nicht funktionieren kann. Sie werden an Ihre Belastungsgrenze kommen und können Ihren Eltern irgendwann vielleicht nicht mehr helfen. Der große Vorteil an Ihrer Situation ist, dass Ihre Eltern zu zweit sind. Es könnte ein Umzug in ein Betreutes Wohnen oder auch in eine stationäre Pflegeeinrichtung oder eine WG erwogen werden und die beiden wären nicht alleine, denn sie haben einander. Sie könnten sie regelmäßig besuchen und dann wieder mit Kraft und Energie für Ihre Eltern da sein, weil Sie dann sicher sein könnten, dass sie gut versorgt sind. Sie müssten nicht jeden Abend Angst haben, dass etwas passiert und hätten wieder mehr Zeit für sich. 

Und ja, Ihre Eltern würden auf so einen Vorschlag wahrscheinlich erst einmal abwehrend reagieren. Aber die Erfahrung zeigt, dass sich die Dinge entspannen, wenn sie spüren, dass man das Beste für sie will und sie dann positive Erfahrungen in einem neuen Umfeld machen.

Pflege zu Hause

 

Ich arbeite mit Menschen mit Demenz als Pflegekraft. Hast Du einen Rat für den Umgang bei aggressivem Verhalten? Momentan gehe ich kurz aus der Situation und starte dann einen Neuversuch zur Grundpflege und Inkontinenzversorgung. 

Du machst da schon viel richtig, wenn du aus der Situation rausgehst. Das Problem ist ja, dass das aggressive Verhalten ein Ausdruck einer Not ist, welche uns die Patienten nicht mehr richtig erklären können. Eigentlich wäre es am besten, die Zeit zu haben, um rauszufinden, was die Patienten in dem Moment so verzweifelt macht. Oft hat man aber nicht die Möglichkeit, das rauszufinden. Wichtig ist – auch wenn das immer so trivial klingt – wertschätzend mit den Leuten umzugehen: ihnen das Gefühl zu geben, dass man sie versteht und ihre Nöte anerkennt. Oft hilft es, eine ruhige Umgebung zu schaffen, dass sie runterkommen können, mit ihnen mit ruhiger Stimme zu sprechen, mit Körperkontakt Nähe zu schaffen (das mag aber nicht jeder, man muss das erst mal rausfinden). Wenn es nicht besser wird, raus aus der Situation gehen und nach kurzer Pause nochmal einen neuen Versuch starten. Sollte der Patient ständig so aggressiv sein, sollte man vielleicht den zuständigen Arzt kontaktieren. Diese Wut und das „außer sich sein“ belastet die Patienten total und sie kommen dann manchmal nicht mehr raus, weil sie sich selbst nicht mehr helfen können.  
 



Ich habe für meine Frau von Montag bis Freitag eine Betreuerin engagiert, die morgens und abends kommt, um meiner Frau bei der Morgentoilette und dem Zubettgehen zu helfen. Nun habe ich dafür am Samstag und Sonntag jemand vom Sozialdienst bestellt. Meine Frau hat am zweiten Tag noch fest geschlafen als die Dame kam. Diese ging dann wieder und kam nicht mehr. Am nächsten Tag war meine Frau wach, aber sehr aggressiv gegen die Dame, die daraufhin unverrichteter Dinge ging. Ich habe daraufhin mit dem Sozialdienst telefoniert und erklärt, daß eine Pflegefachkraft mit einer Aggression fertig werden müsse. Dies kam nicht gut an, mir wurde erklärt, man werde es dieses Wochenende nochmal versuchen und wenn es wieder Probleme gibt, die Besuche bei uns einstellen. Ich fühle mich nun in meiner Situation alleingelassen und einigermaßen hilflos.

Das Problem ist leider bekannt und erreicht mich häufig: Die Sozial- und Pflegedienste haben meist sehr viele Klienten und sind zeitlich nicht so flexibel, wie sie es gerne wären. Schläft ein Klient noch, können sie nicht warten, bis er oder sie wach ist, weil schon andere warten. Aggressives Verhalten könnte nur mit viel Zeit und Geduld bearbeitet und verändert werden, man müsste sich kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Das ist aber in der Kürze des Besuchs nicht möglich. Wenn dann die Pflegekraft keine oder wenig Erfahrung mit solchen Situationen hat, ist es leider der einfachste Weg, den Besuch abzubrechen und zu gehen. 

Wenn Sie die Möglichkeit haben - wechseln Sie den Pflegedienst. Wenn Sie sich allein gelassen und hilflos fühlen, dann sind die Kolleg:innen tatsächlich nicht die richtige Anlaufstelle. 

Welche Alternativen gibt es, wenn sich kein anderer Pflegedienst findet? Wie könnten Sie entlastet bleiben und dennoch sicher gestellt sein, dass Ihre Frau morgens und abends Unterstützung hat? Bitte machen Sie sich darüber Gedanken. In Ulm gibt es zum Beispiel das ProjektDEMENZ im Grünen Hof, wo Sie sich beraten lassen können. Diese haben sicher wertvolle Tipps, ich schätze sie sehr. 
 



Meine Mutter ist dement und wohnt bei uns im Haus in ihrer eigenen Wohnung.  Besonders gegen Abend ruft sie sehr oft "Hallo". Wie kann man dem begegnen? Und was kann ich tun, wenn sie sagt, sie will nach Hause?

Grundsätzlich gibt es sicher einen Grund, warum ihre Mutter „Hallo“ ruft. Sollte sie bereits eine schwere Demenz haben, ist solch ein Ausruf oft das einzige Mittel, mit dem sich Betroffene noch äußern können bzw. ein „Ventil“ haben, um auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie sich aus welchem Grund auch immer unwohl fühlen. Es könnte sein, dass sie Angst hat, alleine in ihrer Wohnung zu sein. Es gibt aber auch viele andere Möglichkeiten. Wie weit fortgeschritten ist ihre Erkrankung? Kommt sie alleine zurecht, kann sie mit Ihnen darüber sprechen, wenn etwas nicht stimmt? 

Wenn ihre Mutter sagt, sie wolle nach Hause, bleiben Sie bitte geduldig und wertschätzend (auch wenn es manchmal schwer fallen kann). Man muss sich vorstellen, dass für Ihre Mutter alles recht beängstigend sein kann, wenn sie denkt, sie lebe woanders. Gut tut dann, wenn jemand da ist, der ihr vertraut ist, sie ablenkt und mit ihr Zeit verbringt. Hat sie vor ihrer Erkrankung woanders gelebt? Es bringt sicher nichts, ihr tausendmal zu erklären, dass sie doch zu Hause sei. Sie kann es ja nicht richtig aufnehmen und abspeichern. 

Wohnformen bei Demenz

 

Was tun, wenn das Pflegeheim nicht perfekt ist, du aber weißt, dass jeder Umzug die Situation verschlimmert?

Können Sie mit der Heimleitung ins Gespräch gehen, um etwas zu verbessern? Haben Sie das Gefühl, dort bemüht man sich um Ihren Angehörigen oder Ihre Angehörige? Versucht man, den dort lebenden Gästen ein angenehmes Leben zu ermöglichen mit Aktivitäten und empathischem Personal?

Wenn nicht, ist meiner Meinung nach einem Umzug das „kleinere Übel“. Natürlich ist es nicht gut, den von Demenz Betroffenen aus der gewohnten Umgebung zu reißen. Sollte es ihm aber in seinem derzeitigen Zuhause nicht gut gehen, ist die Suche nach einem anderen Heim absolut gerechtfertigt. Es wird ihm oder ihr langfristig besser gehen, wenn Sie ein Heim finden, in dem Sie sich gut aufgehoben fühlen.
 



Mein Vater vergisst oft die Dinge, die gerade besprochen wurden. Vom Verhalten ist er sonst wie gewöhnlich.  Für seine Frau ist die Betreuung meines Vaters extrem anstrengend. Ihre Kinder haben meinen Vater gestern abrupt überredet, den Vertrag für drei Wochen Pflegeheim zu unterzeichnen. Perspektivisch wollen sie, dass er ständig im Pflegeheim wohnt. Mir wurde gesagt, dass Menschen mit Demenz im Pflegeheim schnell abbauen. Was meinen Sie dazu? Gibt es über die Krankenkasse oder eine andere geförderte Stelle eine 24-Stunden-Betreuung für demente Menschen? 

Menschen mit Demenz bauen in einem Pflegeheim nicht ab, wenn das Heim gut geführt ist, empathisches und engagiertes Personal hat und die Bewohnerinnen und Bewohner umsorgt und aktiviert werden. Wichtig ist, dass Ihre Familie sich die Zeit nimmt, so ein Heim zu finden. Das bedeutet „Arbeit“, weil man unterschiedliche Einrichtungen anschauen muss, sich auf Wartezeiten einstellen muss etc. Aber es lohnt sich. Wenn sich Ihr Vater in seinem neuen Zuhause wohl fühlt, geht es allen besser. Kriterien, die eine gute stationäre Pflegeeinrichtung ausmachen, finden Sie z.B. bei der Verbraucherzentrale.

Wenn Ihr Vater jetzt einmal drei Wochen „hineinschnuppert“ (ich nehme an, dies ist ein Kurzzeitpflegeplatz), dann wäre es gut, wenn Sie die Möglichkeit hätten, ihn dort zu besuchen und zu beobachten, wie der Umgang mit ihm ist, wie bemüht die Pflegekräfte sind und ob er sich einigermaßen wohl fühlt. Drei Wochen sind nicht viel Zeit, um „anzukommen“, aber doch kann es Ihnen als Familie einen Eindruck geben, ob das Heim gut oder weniger gut ist (Die Möglichkeit von Besuchen kann im Moment durch Corona eingeschränkt sein).

Um einem Abbau so gut es geht entgegenzuwirken, sind Angebote wie Ergotherapie, Physiotherapie, Aktivierungsgruppen etc. sehr wichtig. Achten Sie darauf, dass dies in dem Heim möglich ist, in dem er leben wird. 

Grundsätzlich ist aber wichtig, zu verstehen, dass nicht jede Person auf gleiche Weise von einem Heimplatz profitiert. Manche Patienten blühen in einer Gemeinschaft wie der in einem Pflegeheim richtig auf und können sich in den Strukturen viel mehr entspannen und genießen das Leben dort. Andere Patienten hingegen fühlen sich dort nie wohl. Menschen sind unterschiedlich. Ich finde, das muss auch in die Überlegungen mit einbezogen werden, die man als Familie hat. 

Es gibt natürlich auch andere Wohnformen, über die man nachdenken könnte. Demenz-WGs beispielsweise, in welchen die Menschen in kleineren Gruppen leben als in einer klassischen stationären Pflegeeinrichtung und wo auch wirklich der „Wohngemeinschaft“-Charakter gelebt wird. 

Ein anderes Modell wäre, wie Sie schon angesprochen haben, eine 24-Stunden-Pflegekraft für zu Hause zu engagieren. Hierfür müssen aber die wohnlichen Gegebenheiten passen (die Pflegekraft lebt dann ja mit im Haus und braucht einen privaten Rückzugsbereich, z.B. ein eigenes Bad). 

Wäre vielleicht auch erst einmal eine Entlastung für seine Ehefrau, wenn er in eine Tagespflege ginge? Dort könnte er am Vormittag hingehen, würde den Tag dort verbringen und käme am späten Nachmittag wieder nach Hause. Wenn seine Demenz noch im Anfangsstadium ist, könnte ich mir gut vorstellen, dass dies möglich wäre, ohne schon seinen Wohnort zu ändern. 

Egal für welches Modell Sie sich entscheiden, es fallen immer Kosten für die Betroffenen an, die nicht von den Pflegekassen übernommen werden. In Ihrer Region gibt es sicher Beratungsstellen, wo Sie sich über die unterschiedlichen Angebote und Möglichkeiten beraten lassen können. Bitte nutzen Sie das und entscheiden Sie dann als Familie gemeinsam - am Besten unter Einbezug des Wunschs Ihres Vaters. 
 



Meine Mutter hat bisher keine Demenz-Diagnose, aber die zeitliche und geistige Orientierung ist inzwischen so, dass sie demnächst vom Betreuten Wohnen auf die Pflegestation (im gleichen Haus) kommt. Laut Aussagen der Pflegedienstleitung kommt meine Mutter in ihrem Zimmer alleine nicht mehr zurecht. Bei meinen Besuchen kann ich das nur bestätigen. Wie kann ich ihr vermitteln, dass sie auf die Pflegestation kommt? Ich fürchte, dass sie zunächst abwehrend reagiert. Ich habe mir schon überlegt, ihr dass so "zu verkaufen", dass ich sage, dass sie dort hinkommt, wo man besser und intensiver auf sie eingehen kann und sie auch mehr Kontakt mit Menschen hat. Hätten Sie noch einen Tipp oder Hinweise?

Das ist eine gute Idee von Ihnen, denn es entspricht meiner Meinung nach der Wahrheit. Man muss hier Ihrer Mutter gegenüber nicht auf ihre zunehmenden Defizite eingehen, denn alle Beteiligten wollen das Beste: dass sie gut versorgt ist und sich wohlfühlen kann. Das geht jetzt auf Station wohl besser als im Betreuten Wohnen und soll sich in keinem Fall anfühlen wie ein Nachteil.

Gut wäre sicher, wenn Sie da anfangs „nah dran sind“ und schauen, dass ihr neues Zimmer auch wirklich wohnlich eingerichtet wird, am Besten ähnlich wie in ihrem bisherigen Zimmer. Es soll im Endeffekt das gleiche Zuhause sein wie bisher auch, nur dass die Pflegekräfte schneller reagieren und da sein können. Wenn Sie die Möglichkeit haben, den Umzug zu begleiten, ist das sicher gut.

Seien Sie auch achtsam gegenüber möglicher negativer Gefühle Ihrer Mutter und nehmen Sie sie ernst. Wenn Sie schreiben, dass Sie glauben, dass sie erstmal abwehrend reagiert, bedeutet das ja, dass sie sehr wohl noch versteht, was ein Umzug auf die Pflegestation bedeutet (nämlich eine Zustandsverschlechterung). Reden Sie in diesem Fall mit ihr genau so wie Sie es angedacht haben. Geduldig, wertschätzend. Geben Sie ihr das Gefühl, dass Sie bei ihr sind. Erkunden Sie mit ihr, wenn möglich, auch gemeinsam die Station und machen Sie diese mit ihr zusammen nach und nach zu einem vertrauten, schönen Ort. Ich wünsch Ihnen sehr, dass der Umzug positiv verläuft!
 



Meine Mutter ist seit Oktober 2021 in einem Pflegeheim untergebracht. Mir ist es sehr schwergefallen, dieses so zu akzeptieren. Meine Geschwister und ich besuchen sie in der Woche abwechselnd jeden Tag. Nun habe ich aber gehört, dass es nicht gut für demenzkranke Menschen wäre, wenn dieseaus  ihrer Welt gerissen werden. Ich habe aber das Gefühl, dass es meiner Mutter gut tut. Außerdem gehen wir mit ihr im Rollstuhl spazieren, damit sie mal paar andere Eindrücke bekommt. Wie ist ihre Meinung dazu?

Es ist toll, dass Sie mit Ihren Geschwistern regelmäßige Besuche absprechen und ich persönlich finde das auch sehr wichtig. Wir können uns sicher kaum vorstellen, wie schwer es sein muss, aus den eigenen vier Wänden ausziehen zu müssen, um in einer stationären Pflegeeinrichtung zu leben. An einem Ort, wo man sich erstmal nicht zu Hause fühlt und es die eigenen kognitiven Beeinträchtigungen schwer machen, die Situation überhaupt in Gänze zu erfassen. Ihre Besuche sind wichtige „Anker“ für Ihre Mutter, sich wohler zu fühlen. Sie ist immer noch Teil Ihrer Familie! Sie machen alles richtig. Sie haben ja selbst geschrieben, dass Sie das Gefühl haben, dass es Ihrer Mutter gut tut. Das ist alles, was zählt.

Dass es nicht gut sei, Menschen mit Demenz aus ihrer „Welt zu reißen“, bezieht sich eher auf andere Situationen. Lassen Sie mich aus persönlicher Erfahrung sprechen: Ich habe meine Großmutter, die auch mit einer Demenz in einem Pflegeheim lebte, am Wochenende immer wieder mit nach Hause genommen, weil ich damals dachte, es täte ihr gut. Das stimmte erstmal auch, sie erkannte Ihr früheres Zuhause immer gleich wieder und war sehr glücklich. Am Sonntag, wenn ich sie wieder ins Heim bringen musste, war sie aber jedes Mal sehr verzweifelt und traurig, weil sie nicht verstand, warum sie wieder weg muss. Ich habe ihr jedes Mal sehr schmerzhafte Abschiede beschert – das hat sie sehr belastet. Sie hatte nie die Gelegenheit, sich an ihr neues Zuhause im Heim zu gewöhnen, weil ich sie immer wieder mit ihrem früheren Leben konfrontierte. Das würde ich heute so nicht mehr machen. Lieber hätte ich sie im Heim besucht und wir hätten es uns dort gemütlich gemacht. Also: Sie tun das Richtige. Sie reißen Ihre Mutter nicht aus ihrer Welt – ihre geliebte Familie ist ihre Welt.
 



Ich arbeite als Betreuungsassistentin im Altenheim. Meine Frage betrifft ein Paar, das mehr als 60 Jahre zusammengelebt hat. Der Mann ist nun gestorben; seine Frau (sie hat Demenz) versteht das nicht. Ich versuche die passenden Worte zu finden, um ihr den Tod ihres Mannes zu erklären. Aber nach einer halben Stunde vergisst sie alles und fragt nach, wo ihr Mann ist. Was kann ich tun?

Danke für Ihre Nachricht, das ist wirklich eine herausfordernde Situation. Grundsätzlich sind an Demenz erkrankte Personen schon in der Lage, zu trauern. In einem frühen Stadium der Erkrankung kann die Situation noch erfasst werden und die Betroffenen trauern wie wir alle. Aber natürlich wird es im Verlauf der Erkrankung dann schwieriger für sie, die Situation zu begreifen, das Geschehene bewusst zu erfahren und die Erinnerung im richtigen Kontext zu behalten. Dann sind die Gefühle und der Schmerz da, aber sie können damit nicht umgehen, weil sie zwar spüren, dass etwas nicht stimmt, es aber nicht mehr rational einordnen können. 

Eine optimale Lösung, die bedeuten würde, die Frau versteht plötzlich und dauerhaft, dass ihr Mann verstorben ist, kann es vielleicht im Moment gar nicht geben. Dass sie immer wieder nach ihm fragt, ist in Ordnung. Sie machen deswegen nichts falsch. Es ist eine „normale“ Reaktion und darf sein.

Es gibt keine festen Regeln, wie man Demenzkranken die Nachricht vom Tod eines nahestehenden Menschen überbringt oder ihnen beibringt, sich daran zu erinnern, was passiert ist. Es ist ein sehr individueller Prozess und Sie müssen unter Umständen geduldig Sachen ausprobieren, um herauszubekommen, was helfen kann. Beispielsweise könnten Sie ab und zu Fotos mit ihr anschauen, auf denen ihr Mann zu sehen ist und mit ihr darüber sprechen, dass er gestorben ist. Sie üben auf diese Weise mit ihr sozusagen, sich daran zu erinnern. Und sie hat ja ein Recht darauf, von dem Tod ihres Mannes zu wissen. Mit der Zeit kann die Information – je nach Demenzstadium – sehr wohl behalten werden. Sie soll dabei den Verlust aber natürlich nicht immer wieder neu durchmachen müssen. 

Sollte sie unruhig und emotional sein, weil sie nach ihrem Mann sucht und sich hilflos fühlt, kann es in einer akuten Situation auch hilfreich sein, erst einmal ihre Gefühle anzuerkennen und emphatisch mit ihr zu sprechen. Dann kann manihre Aufmerksamkeit umlenken auf etwas Anderes/Schönes. Wenn sie schon außer sich ist, ist eine Konfrontation mit dem Geschehenen einfach zu viel. 

Haben Sie die Möglichkeit, mit ihr den Friedhof zu besuchen? Oder bitten Sie die Angehörigen darum, damit sie einfach immer wieder die Möglichkeit bekommt, sich bewusst zu werden, was ist. Wenn dann geliebte Menschen um sie herum sind, ist sie aufgefangen. Egal was Sie versuchen, die Trauer bei von Demenz betroffenen Menschen ist komplex und es ist unsere Aufgabe, sie darin zu begleiten. Auch wenn es für uns „Gesunde“ anstrengend ist. Sie machen mit Sicherheit schon viel richtig. Allein dass Sie sich gemeldet haben, zeigt, dass Sie sich Gedanken machen und das Beste für die Bewohnerin wünschen. Die Frau dankt es Ihnen sicher, auch wenn Sie es vielleicht nicht zeigen kann.
 



Meine Mutter wohnte bisher allein in ihrem Haus. 24-Stunden-Pflegerinnen hat sie nicht akzeptiert, wurde den Damen auch mal aggressiv gegenüber. Jetzt hat mir die letzte selbst eingestellte Pflegerin spontan gekündigt. Meine Mutter konnte nicht mehr alleine bleiben und so habe ich sie kurzfristig in einem Altersheim zur Kurzzeitpflege untergebracht. Ihr Psychiater hat mich unterstützt und wir haben ihr gesagt, das sei Reha für ihren Fuss. Sie akzeptiert es dort, weil sie glaubt, sie sei nur zeitweise da. Ich habe ihr versprochen, dass sie nach vier Wochen nach Hause kann. Nur, wie geht es dann weiter? Ich habe eine Vorsorgevollmacht mit Aufenthaltsbestimmungsrecht, aber bin keine gesetzliche Betreuerin. Meine Mutter weigert sich, in ein Heim zu gehen. Natürlich ist sie jetzt in einem Heim, aber sie denkt, es sei eine "Rehaklinik". Jetzt stelle ich mir natürlich die Frage, lasse ich sie wieder nach Hause, damit sie mir weiter vertraut und besorge eine neue 24-Stunden-Pflegerin, wobei ich sicher sein kann, dass dann die alten Probleme wieder auftauchen? Oder nutze ich die Chance und meine Mutter bleibt dort in dem Heim?

Ich kann mir sehr gut vorstellen, in welch schwieriger Situation Sie stecken. Durch die demenzbedingten kognitiven Defizite kann Ihre Mutter ihre Situation nicht mehr ausreichend einschätzen. Dass sie alleine nicht zurechtkommt zu Hause, will und kann sie vielleicht gar nicht verstehen. Das heißt, dass Sie als Ihre Tochter Entscheidungen treffen müssen, von denen Sie wissen, dass Sie das Beste für Ihre Mutter bedeuten, aber unter Umständen gegen den Willen Ihrer Mutter passieren. Sie müssen dann die Enttäuschung und den Schmerz Ihrer Mutter aushalten. Das ist schwer und einen „Königsweg“, der alle Konflikte auflöst, kann es im Moment vielleicht gar nicht geben. Ich kann nachvollziehen, dass es für den Psychiater und Sie kurzfristig die einzige Lösung war, ihr einen Reha-Aufenhalt vorzuspielen, leider verschiebt das aber nur das Problem, weil Sie in ein paar Wochen wieder im selben Dilemma stecken. 

Dennoch könnten Sie verschiedene Handlungsoptionen haben. Zuerst würde ich Sie bitten, die nächsten Tage und Wochen genau zu beobachten, wie sich Ihre Mutter einlebt. Je nach Schwere ihrer Demenz kann es auch passieren, dass sie mit der Zeit nicht mehr weiß, dass dies ein „Reha-Aufenthalt“ ist. Im glücklichsten Fall fühlt sie sich am Ende der Kurzzeitpflege so wohl und begreift es als Selbstverständlichkeit, dort zu sein, dass sie gar nicht nach Hause möchte. Ich finde es auf jeden Fall schon mal positiv, dass sie den Aufenthalt im Moment akzeptiert. Das ist ein gutes Zeichen. 

Sollte sie an diesem Punkt nicht sein, müssen Sie mit Ihrer Mutter wieder offener sprechen. Auch wenn es immer wieder schmerzt und Konflikte bedeutet, ist es wichtig, dass sie nach und nach zu behalten lernt, dass die jetzige Lebenssituation für Sie beide schwierig ist. Natürlich kann es sein, dass das nicht gelingt. Aber Sie sollten es weiterhin versuchen. Passen Sie dabei aber auch auf Ihre eigenen Grenzen auf. Die Situation kann emotional sehr belastend sein.

Ich würde Sie auch bitten, eine lokale Beratungsstelle aufzusuchen, um die pflegerischen Versorgungsstrukturen in Ihrer Region genau aufgelistet zu bekommen. Vielleicht gibt es noch Möglichkeiten, ihr das Leben zu Hause zu erhalten. In einer Tagespflege könnte sie werktags untertags versorgt und aktiviert werden, würde mit anderen netten Leuten zusammenkommen. Ein Pflegedienst könnte morgens und abends nach ihr sehen, bei der Medikamentengabe helfen, im Bad unterstützen. Am Wochenende könnten auch Alltagshelfer oder andere Ehrenamtliche zum Beispiel über Nachbarschaftshilfevereine stundenweise nach ihr sehen. Essen auf Rädern würde garantieren, dass Ihre Mutter genug zu essen hat. Eine Haushaltshilfe könnte sich ums Putzen kümmern. So wäre Ihre Mutter zu Hause – und ein Pool an Unterstützern könnte ihr den Alltag erleichtern. Natürlich wäre es auch toll, Sie könnten regelmäßig nach ihr sehen. Lassen Sie sich beraten, welche Möglichkeiten es bei Ihnen gibt. 

Auch gibt es noch andere Wohnformen als stationäre Pflegeeinrichtungen. In vielen Regionen gibt es zum Beispiel sogenannte „Demenz-WGs“. Da haben die Bewohnerinnen und Bewohner mehr Eigenständigkeit, leben in kleineren Gruppen und haben dennoch pflegerische Hilfe. Viele Menschen akzeptieren so etwas besser. 

Solche und andere Überlegungen können trotzdem scheitern. Ab einem bestimmten Punkt der Erkrankung sind die Alltagskompetenzen so eingeschränkt, dass ein Leben zu Hause nicht mehr funktioniert, wenn es keinen Partner oder eine 24-Stunden-Pflegekraft gibt, der die häusliche Pflege übernehmen kann. Dann kann es sein, dass Sie gegen den Willen Ihrer Mutter die Entscheidung über einen Umzug in ein Heim fällenmüssen. Achten Sie in diesem Fall genau darauf, wo es Ihre Mutter gut hat. Wo man sich liebevoll und empathisch um sie kümmert. Dann wird sie sich auf Dauer dort wohlfühlen. Da bin ich mir ganz sicher.

Wenn Sie Ihnen im Moment droht, dass Ihre Beziehung durch so eine Entscheidung zerstört würde, dann begreifen Sie das als Ausdruck ihrer Hilflosigkeit und nicht als fehlende Liebe Ihrer Mutter zu Ihnen. Ihre Mutter hat sicher einfach Angst, „überreißt“ die Situation nicht mehr komplett und ist verzweifelt. Sollten Sie durch die Situation psychisch sehr belastet sein, suchen Sie sich doch vielleicht eine Angehörigengruppe. Es kann wahnsinnig entlastend sein, wenn man mit anderen Menschen sprechen kann, die ähnliche Sorgen und Nöte haben wie man selbst.

Über Dr. Sarah Straub

Sarah Straub ist promovierte Diplom-Psychologin und forscht am Universitätsklinikum Ulm über Demenz. Als Leiterin einer Spezialsprechstunde für Patienten und Patientinnen mit Frontotemporaler Demenz begleitet die 36-Jährige seit über zehn Jahren betroffene Familien durch die Erkrankung. Im Herbst 2021 hat sie den Demenz-Ratgeber „Wie meine Großmutter ihr ICH verlor“ veröffentlicht. Als Demenzexpertin ist sie außerdem ein beliebter Talkgast in unterschiedlichen Radio- und Fernsehformaten. Sie unterrichtet an der Universität Ulm und hält Vorträge für die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Als Liedermacherin und Sängerin klärt sie bei ihren Konzertveranstaltungen über das Thema Demenz auf, um die Krankheit zu enttabuisieren und gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Demenz zu schaffen.

Zur Website von Sarah Straub